RAD Tour mit dem Zofinger Tagblatt

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Datum: Samstag, 11.April 2015
Organisation: FORZA Paule Siegrist, 69km & 1’180HM
Organisation: VIVA Sepp Steiner, 60km & 750HM
Strecke: FORZA
Ganzer Bericht Zofinger Tagblatt vom 14.04.2015: PDF
Redaktion: Michael Flückiger (ZT)
RVB totalo caputo
Es fällt der eine oder andere Tropfen vom Himmel an diesem Samstag. Den Mut eines waschechten Rennradfahrers vermag das kaum zu kühlen. Umso mehr, wenn er Mitglied des Radsportvereins Brittnau (RVB) ist. Aber klar doch: Wer ein Training aus lässt, kann in der Jahreswertung schon mal ins Hintertreffen geraten. Und so sind es 13 Unverzagte plus ich als Gast, die einander um 13 Uhr beim Schulhaus Brittnau begrüssen. Fast alle sind in den Vereinsfarben Rot-Weiss-Grün gekleidet. Grün steht bekanntlich für die drei Brittnauer Waldhügel Kührain, Albisund Kilchberg. Hätte ich dies nur als Omen zu deuten gewusst. «Weisst du, mit 40 denkst du, es werde schon zäher, dann läuft es aber doch noch rund. Mit 50 hast du wider Erwarten immer noch Kraft. Aber spätestens mit 60 musst du einfach etwas kürzertreten.» Der Brittnauer Köbi Baumann klingt vor dem Start so, als müsste er sich dafür entschuldigen, dass er in der gemütlicheren Gruppe Viva mitfährt. Chapeau, Köbi, wenn ich mit 74 auch noch so fit bin wie du, will ich mich glücklich schätzen.Die Läufermuskeln helfen Leichtsinnig schliesse ich mich der schnelleren Gruppe Forza mit Tourenleiter Paul Siegrist an. Die sechs Pedaleure hielten sich über den Winter mit Spinning und Biketouren fit. Ich werfe seit Anfang Jahr 1000 Laufkilometer in die Waagschale. Die Route führt uns zuerst moderato Richtung Pfaffnau, von dort allegro nach Roggliswil und weiter über die Hügel via Altbüron, Melchnau,Reisiswil, Gondiswil mitten in die Oberaargauer «Chrachen». Oder anders formuliert: Paul lässt einfach keinen Hügel aus. Die Aussicht ist wunderbar. Kaum Verkehr, wunderbar gewundene Strassen, Oberschenkelbrenner von Aufstiegen und im Gegenzug rauschende Abfahrten. Abwechslung pur eben. Paul fährt wie eine Eins, sitzt ruhig im Sattel,kurbelt flott. Ich denke, er könnte auch eine Spur langsamer fahren. Aber ich verbiete es mir. An einem besonders steilen Hügel folgt er, der Belastungstest, aber presto. Meine Beine drohen ihren Dienst zu versagen, ich rupfe eher, statt rund zu kurbeln. Trotzdem: Dank meiner Läufermuskeln wuchte ich mich bis zur Kuppe an die dritte Stelle. Ehre gerettet. Nach kurzem Verschnaufen geht es eine wunderbare Abfahrt hinunter. In Bleienbach ist Beizenhalt angesagt. Kaffee und Cola vertreiben die Müdigkeit. Es ist Zeit für einen Schwatz. Daniel Baumann ist technischerLeiter des RV Brittnau. «Wir fahren alle Rennrad und Bike, die Puristen sind bei uns praktisch ausgestorben», sagt er. Baumann kommt zwar ursprünglich aus Brittnau, wohnt heute aber in Kölliken. Er ist nicht das einzige Mitglied, das aus der weiteren Region kommt. Am Tisch wird gescherzt undgelacht. Nicht jeder Insider-Witz erschliesst sich meinem Verständnis. Kassier Marcel Schlüssel ist mit 30 Jahren der Jüngste. Mehr von seiner Sorte wären durchaus erwünscht. Aktuar StefanZinniker meint: «Wir sind kein Verein,der Jugendliche ausbildet und an dieRennen führt.» Da sei der VC Paffnau die richtige Adresse. Der RVB ist etwas für passionierte Hobbyfahrer, die das Gesellige schätzen. Er macht sich allerdings auch im Breitensport verdient. Im Juni organisiert der Verein bereitszum 20. Mal die Volksradtour Ironbike Brittnau. Jedes Jahr geniessen zur Sonnenwende Hunderte die Fahrt über die abwechslungsreichen Routen. Die Touren sind zwischen 40 und 150 Kilometernlang und haben sowohl Bikern wie auch Radrennfahrern viel zu bieten. Verpflegungsposten bieten unterwegs genügend Erfrischungen.Mit 50 Sachen durch Vordemwald. Es ist Zeit zum Aufbruch. Frisch gestärkt geht es über Thunstetten, Bützberg auf die andere Seite der Aare. Es folgt Wolfwil, Fulenbach, Murgenthal.Nach 60 Kilometern in den Beinen ist der zähe Hügel bei Riken gewiss kein Zuckerschleck. Dafür brausen wir zum Ende mit 50 Sachen durch Vordemwald und winden bis zur Schleipfe hinaufnoch einmal die Oberschenkelmuskulatur aus. Endlich ist es geschafft. Bis zum Restaurant Kastanienbaum in Strengelbach ist Auskurbeln angesagt. Das Gruppenbild im Garten zeigt eine etwas abgekämpfte, aber zufriedene Gruppe. Nach diesen Strapazen ist ein Bier der ideale Durstlöscher. Daniel Baumann zückt die Anwesenheitsliste. Sie enthält bei einigen Mitgliedern Sonderzeichen. Einen weissen Stern gibt es für Cupsiege ( Jahreswertung Rennen), einen schwarzen Stern für die Clubmeister. Einige haben sich sogar einen Adler erworben. Er sagt mit einem Augenzwinkern:«Du kannst dir einen solchen Adler auch an einem Abend erwerben. Im Ernst: Wir honorieren es, wenn unsere Mitglieder sich auch mit Herzblut für die Vereinskultur engagieren und Anlässe organisieren. Bei uns kann sich jeder einbringen und damit Motivation und Bestätigung holen.» (Bericht & Foto ZT, Michael Flückiger)